Das zweite Pflegestärkungsgesetz

Seit dem 01.01.2017 ist das zweite Pflegestärkungsgesetz in Kraft getreten und hat zahlreiche Neuerungen mit auf den Weg gebracht. Wir möchten Sie über die wichtigsten Erneuerungen informieren. Gerne beraten wir Sie auch persönlich.

Im Fokus des Pflegestärkungsgesetzes steht der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff, der es allen Pflegebedürftigen sowohl mit körperlichen als auch mit geistigen Beeinträchtigungen gleichermaßen ermöglicht, Pflegeleistungen und die entsprechende Unterstützung zu erhalten. Demnach sind Personen pflegebedürftig, wenn sie Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder Fähigkeitsstörungen aufweisen und darum externe Hilfe benötigen.

Die Pflegesachleistungen werden zukünftig in folgende drei Bereiche unterteilt:

  • Körperbezogene Pflegemaßnahmen (zuvor: Grundpflege)
  • Pflegerische Betreuungsmaßnahmen (zuvor: häusliche Betreuung)
  • Hilfen bei der Haushaltsführung (zuvor: Hauswirtschaft)


Es ist nun möglich, frei aus diesen Leistungsangeboten zu wählen. Bis zum 31.12.2016 mussten zunächst die Grundpflege und die hauswirtschaftliche Versorgung sichergestellt sein, ehe Betreuungsleistungen in Anspruch genommen werden konnten.

Zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit und zur Einstufung in die Pflegegrade bedient sich der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) neuer Begutachtungsrichtlinien (Assessments). Im Fokus stehen dazu sechs (+2) Aktivitätsbereiche, um den Grad der Beeinträchtigung festzustellen:

ModulProzentuale Berücksichtigung
Mobilität10%
Kognitive und kommunikative Fähigkeiten15% (nur der höhere Wert wird berücksichtigt)
Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
Selbstversorgung40%
Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- und therapiebedingten Anforderungen und Belastungen20%
Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte15%
Außerhäusliche AktivitätenErmittlung lediglich zu Informationszwecken und zur Erstellung individueller Versorgungspläne
Haushaltsführung

Mit Einführung des neuen Pflegestärkungsgesetzes erfolgte zudem die Umstellung der bisherigen drei Pflegestufen auf die fünf Pflegegrade. Personen, die nach dem alten System bereits eine Pflegestufe hatten, werden nun in den nächst höheren Grad überführt. Personen mit nachgewiesener eingeschränkter Alltagskompetenz springen sogar in den übernächsten Grad. Erstmalig bekommt auch eine Personengruppe Aufmerksamkeit, die früher als nicht pflegebedürftig galt. Personen, die weitestgehend selbstständig ihren Alltag bewältigen können (geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit), bekamen zuvor die sogenannte Pflegestufe 0 und konnten somit keine Leistungen aus den Pflegekassen empfangen. Dieser Personenkreis wird nach aktueller Regelung in den Pflegegrad 1 eingestuft und kann somit auch Leistungen (Entlastungsbetrag 125€ für Betreuungs- und Entlastungsleistungen) empfangen.

Diese Betreuungs- und Entlastungsleistungen stehen seit dem 01.01.2017 allen Pflegebedürftigen zu. Der dafür vorgesehene Entlastungsbetrag in Höhe von 125€ kann zweckgebunden für qualitätsgesicherte Leistungen eingesetzt werden und wird somit zur Entlastung von pflegenden Angehörigen sowie zur Förderung der Selbstständigkeit bei der Gestaltung des Alltags der Pflegebedürftigen.

Folgende Änderungen ergeben sich in der gesetzlichen Pflegeversicherung:

Pflegestufe bis 31.12.2016Pflegegrad ab 01.01.2017Höchstbeträge bis 31.12.2016Höchstbeträge ab 01.01.2017Entlastungsbetrag ab 01.01.2017Wohngruppenzuschlag ab 01.01.2017
02231€689€125€214€
12468€689€125€214€
1 mit EdA*3689€1.298€125€214€
231.144€1.298€125€214€
2 mit EdA*41.298€1.612€125€214€
341.612€1.612€125€214€
3 mit EdA*51.612€1.995€125€214€
Härtefälle51.995€1.995€125€214€

*EdA = Einschränkung der Alltagskompetenz

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